„Mit 0,1 Bitcoin in Rente.“ Der Satz klingt nach einem Plan. Prüfen wir ihn, und zwar gegen die gesetzliche Rente. Ein Kursziel brauchen wir dafür nicht.
Erst mal das ehrliche Zugeständnis. Die Idee hat einen wahren Kern. Es wird nie mehr als 21 Millionen Bitcoin geben. Wer 0,1 davon hält, besitzt einen festen Anteil, den niemand verwässern kann. Dass Leute darauf ihre Träume vom Ruhestand bauen, ist nachvollziehbar.
Jetzt zum Maßstab. Seit dem 1. Juli 2026 ist ein Entgeltpunkt in der gesetzlichen Rente 42,52 Euro im Monat wert. So steht es in der Rentenwertbestimmungsverordnung. Die sogenannte Standardrente rechnet mit 45 Entgeltpunkten, also mit 45 Jahren zu genau durchschnittlichem Verdienst. Das ergibt 1.913 Euro brutto im Monat. Wichtig: Das ist eine Rechengröße, keine Durchschnittsrente. Wer Lücken im Lebenslauf hat oder weniger verdient hat, bekommt weniger.
Und jetzt der Teil, der fast immer weggelassen wird: der Taschenrechner. Am 26. Oktober 2026 kostet ein Bitcoin rund 71.700 Euro. 0,1 Bitcoin sind damit etwa 7.170 Euro. Geteilt durch 1.913 Euro sind das knapp vier Monatsrenten. Vier Monate. Das ist kein Rentnerleben, das ist ein langer Urlaub. Zum heutigen Kurs ist der Satz Bullshit.
Wann würde er stimmen? Rechnen wir mit zwanzig Jahren Standardrente. 1.913,40 Euro mal zwölf mal zwanzig, zusammen rund 459.000 Euro. Damit 0,1 Bitcoin das abdecken, müsste ein ganzer Bitcoin rund 4,6 Millionen Euro kosten. Gut das Sechzigfache von heute. Mit 0,01 Bitcoin wären es 46 Millionen pro Coin. Und das ist noch freundlich gerechnet, ohne Geldentwertung und ohne Rentenerhöhungen. Allein 2026 ist der Rentenwert um 4,24 Prozent gestiegen. Die Messlatte wandert also mit.
Das ist keine Prognose. Wer dir eine verkauft, verkauft dir meist das Fragezeichen gleich mit. Es ist nur die Umkehrfrage: Was müsste passieren, damit der Satz wahr wird?
Dazu kommt ein Unterschied, den viele übersehen. Die Rente ist ein Zahlungsstrom, sie läuft, solange du lebst. 0,1 Bitcoin sind ein Bestand. Den kannst du genau einmal aufbrauchen, und sein Wert schwankt auf dem Weg dorthin kräftig. Was beim Verkauf steuerlich passiert, hängt von der Haltedauer ab und soll sich ab 2027 ändern. Das klärst du mit einem Steuerberater.
Taugt Bitcoin also nichts fürs Alter? Das entscheidest du. Aber wer dir 0,1 Bitcoin als Rente verkauft, hat vorher weder den Tageskurs noch den Taschenrechner gefragt. Die bessere Frage ist: Wie viel Bitcoin bräuchtest du wirklich — und zu welchem Kurs?
Passend dazu Karte 7: „Pete der Unbestechliche — Ich verkauf dir keine Kursziele. Nur die Fragen dazu.“