Im ersten Teil dieser Reihe haben wir gesehen, woher die Idee von Bitcoin stammt. Von den Cypherpunks, dieser kleinen Gruppe von Rebellen mit ihrem Traum von freiem, digitalem Geld. Heute geht es um den Menschen, der diesen Traum als Erster zum Leben erweckte. Es ist eine Geschichte, die begeistert und am Ende tief berührt. Der Mann hieß Hal Finney.
Fangen wir mit einem Moment an, der auf den ersten Blick nach gar nichts aussieht. Am 11. Januar 2009 schrieb Finney zwei schlichte Worte ins Internet. „Running bitcoin.“ Übersetzt heißt das einfach: Bitcoin läuft. Keine große Ankündigung, kein Jubel, keine Fanfare. Nur die nüchterne Feststellung, dass eine Software bei ihm funktioniert. Und doch gehört dieser kleine Satz heute zu den legendärsten in der ganzen Geschichte von Bitcoin. Denn Finney war kein zufälliger Zuschauer. Er war selbst ein hoch angesehener Programmierer und einer dieser Cypherpunks, von denen wir im ersten Teil gesprochen haben. Als der geheimnisvolle Satoshi Nakamoto Ende 2008 die Bitcoin-Software veröffentlichte, war Finney sofort zur Stelle. Er lud sie herunter, startete sie und wurde damit zum allerersten Menschen nach dem Erfinder selbst, der das Bitcoin-Netzwerk tatsächlich betrieb.
Und dann passierte das eigentlich Entscheidende. Nur einen Tag später, am 12. Januar 2009, schickte Satoshi ihm zehn Bitcoin. Das war die allererste Bitcoin-Überweisung, die es jemals gab. Halt hier einen Moment inne und überleg, was in diesem Augenblick geschah. Bis dahin war Bitcoin nur Theorie gewesen. Ein Konzept auf dem Papier, eine Software, die vielleicht funktioniert. Mit dieser einen Überweisung wurde aus der Theorie plötzlich Wirklichkeit. Zum ersten Mal schickten sich zwei Menschen Geld, direkt, von Person zu Person, quer über das Internet, ohne eine Bank dazwischen, ohne dass irgendjemand um Erlaubnis fragen musste. Genau das, wovon die Cypherpunks jahrzehntelang nur geträumt und geredet hatten, war in diesem Moment echt geworden. Die zehn Bitcoin waren damals praktisch nichts wert. Aber der Beweis, dass die Sache funktioniert, war unbezahlbar.
Doch diese Geschichte hat eine tragische Wendung, die sie umso bewegender macht. Noch im selben Jahr, in dem Bitcoin geboren wurde, bekam Hal Finney eine furchtbare Diagnose. ALS. Eine unheilbare Nervenkrankheit, die den Körper nach und nach vollständig lähmt, während der Geist hellwach und klar bleibt. Für die meisten Menschen wäre das das Ende jeder Arbeit gewesen. Für Finney nicht. Er programmierte weiter an Bitcoin. Er kämpfte gegen die eigene Lähmung an und nutzte am Ende assistierende Technik, um überhaupt noch tippen zu können. Er glaubte an diese Idee bis zuletzt, auch als sein Körper ihn längst im Stich ließ. Im August 2014 verstarb Hal Finney im Alter von 58 Jahren.
Er hat den heutigen Wert von Bitcoin nie erlebt. Er hat nie im Rampenlicht gestanden und sich nie selbst gefeiert. Und genau das macht ihn so besonders. Er war kein lauter Guru, der große Versprechen in die Kameras rief. Er war ein stiller Macher. Einer, der nicht geredet, sondern gehandelt hat. Einer, der mit klarem Kopf und funktionierendem Code bewies, dass eine große Idee Wirklichkeit werden kann, wenn jemand nur bereit ist, sie wirklich anzupacken. Es gibt bis heute Menschen, die vermuten, Finney selbst könnte der geheimnisvolle Satoshi gewesen sein. Er hat das zeitlebens bestritten, und beweisen lässt es sich nicht. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Wichtig ist, was er hinterlassen hat. Sein Name lebt weiter, jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt jemand Bitcoin startet und die Software zu laufen beginnt. Running bitcoin, bis heute. Im nächsten Teil wird es leichter und kurioser. Dann geht es um die wohl teuerste Pizza, die je bezahlt wurde.