„Bitcoin kann man nicht abschalten.“ Das klingt nach Magie. Bevor wir das glauben, zählen wir lieber nach.
Fangen wir mit dem Teil an, der stimmt. Seit dem Genesis-Block am 3. Januar 2009 hängt das Netz Block an Block. Am 26. Oktober 2026 stand die Kette bei Block 973.237. Es gibt keine Firma, die man schließen könnte, und keinen zentralen Server, den man vom Strom nimmt. Einen Chef mit Ausschalter gibt es auch nicht. Wer die Kette verlängern will, muss Rechenarbeit leisten, egal wo auf der Welt er sitzt.
Dazu kommt ein Mechanismus, den kaum einer kennt. Alle 2.016 Blöcke rechnet jeder Knoten nach, ob die letzten Blöcke zu schnell oder zu langsam kamen. Ziel sind zehn Minuten pro Block, also zwei Wochen pro Runde. Dann passt sich die Schwierigkeit an, ganz ohne Abstimmung. Zuletzt geschah das am 16. Oktober 2026 bei Block 971.712: plus 5,9 Prozent auf rund 140,58 Billionen.
Wie gut das funktioniert, zeigte ein echter Stresstest. Im Mai 2021 kündigte Chinas Regierung an, gegen Bitcoin-Mining vorzugehen. Die Folge steht direkt in den Blockdaten. Am 3. Juli 2021 sank die Schwierigkeit um 27,9 Prozent, der stärkste Rückgang seit Beginn. Weniger Rechenleistung, also leichtere Aufgabe. Die übrigen Miner fanden wieder im Takt Blöcke, und Bitcoin lief weiter.
Jetzt der Teil, der fast immer weggelassen wird. Bitcoin lief nicht immer von allein. Im August 2010 nutzte jemand einen Programmierfehler und erzeugte in Block 74.638 über 184 Milliarden Bitcoin aus dem Nichts. Satoshi lieferte einen Patch, und die Teilnehmer mussten die fehlerhafte Kette verwerfen. Gerettet hat das Netz damals kein Naturgesetz. Es waren Menschen, die schnell reagiert haben.
„Nicht abschaltbar“ heißt deshalb auch nicht „unangreifbar“. Staaten können Börsen dichtmachen und Mining verbieten. Software kann wieder Fehler haben. Und wer über Änderungen am Code entscheidet, ist eine eigene Frage. Belegt ist nur: Bisher lief es weiter. Ob das für immer gilt, weiß niemand.
Bitcoin wurde schon unzählige Male totgesagt und steht immer noch da. Aber „nicht aufzuhalten“ ist kein Messwert. Die Blockhöhe schon. Frag also nicht, ob Bitcoin ewig läuft. Frag lieber: Wie viel Aufwand bräuchte jemand, um es zu stoppen — und wer hätte etwas davon?
Passend dazu Karte 13: „Pete der Unbeeindruckte — Schon 400 Mal beerdigt. Steht immer noch da.“